Erbschaft- und Schenkungsteuerreform

Aus aktuellem Anlass: Die Erbschaft- und Schenkungsteuerreform (Artikel aus dem Jahre 2007)

Nach langem Gerangel stieg am 06.11.2007 in Berlin weißer Rauch auf. Finanzminister Steinbrück und Hessens Ministerpräsident Koch konnten endlich ein Ergebnis im Hinblick auf die lange erwartete Erbschaft- und Schenkungsteuerreform vorlegen. Welche Ergebnisse erzielt wurden und wie sich diese auf den „Otto-Normalbürger“ auswirken, soll im Folgenden dargestellt werden:

Die klaren Gewinner der Reform sind Erben und Erblasser, die nah miteinander verwandt sind. Hier kommt es zu einer deutlichen Erhöhung der Freibeträge. So steigen die Freibeträge in der Steuerklasse I für Eheleute von 307.000 auf 500.000 Euro, je Kind von 205.000 auf 400.000 Euro und für Enkel von 51.200 auf 200.000 Euro.

Allein diese Steigerungen der Freibeträge führen im engsten Familienkreis zu noch größerer Flexibilität, wenn es um die Gestaltung von steueroptimierten Testamenten geht. Insbesondere die deutliche Anhebung der Freibeträge für Enkelkinder ist in dieser Hinsicht hervorzuheben.

In der Konsequenz bleibt mit diesen Freibeträgen auch zukünftig das Standardeinfamilienhaus erbschaftsteuerfrei, auch wenn dieses zukünftig mit dem Verkehrswert anzusetzen ist. Ein verheirateter Erblasser mit zwei Kindern könnte auf diesem Wege bei geschickter Testamentserstellung 1,3 Millionen EUR vererben, ohne dass seine Erben Steuern zahlen müssten.

Wenn Ihnen in der Vergangenheit also die Erbschaftsteuerreform Sorge bereitete, so können Sie sich jetzt getrost zurücklehnen, es sei denn, Sie besitzen größeres Immobilienvermögen. In diesem Fall muss über neue Handlungsoptionen nachgedacht werden.

Für den Fall, dass Sie weiter entfernte Verwandte oder Freunde bedenken wollen, hat sich ebenfalls – zumindest bei kleineren Zuwendungen – etwas Positives ereignet. Diese Freibeträge sollen jetzt von bisher 5.200 EUR auf 20.000 EUR angehoben werden. Diese Anhebung war aus meiner Sicht sehr sinnvoll, da oftmals jahrelange nachbarschaftliche Hilfe dadurch belohnt wurde, dass der Erblasser die Helfer über ein Vermächtnis im Testament bedachte. Je nach Vermögen des Erblassers waren hier oftmals bereits die Freibeträge überschritten. Die Folge waren Steuerzahlungen, die ausgerechnet diejenigen trafen, welche sich uneigennützig um Ihre Mitmenschen kümmerten. Dieser Missstand ist jetzt in vielen Fällen beseitigt.

Gibt es einen Haken an der Sache, werden sich viele Leser fragen.

Den gibt es selbstverständlich auch. Um die Mindereinnahmen aufgrund der Erhöhung der Freibeträge wieder einzuspielen, werden die Steuersätze für das nicht vom Freibetrag umfasste Vermögen wohl erheblich angehoben. Dies soll nicht für sehr nahe Verwandtschaftsverhältnisse ( Ehegatte, Kinder, Enkel) gelten, wohl aber für fast alle übrigen Erben. So ist die Politik. Die Kasse muss am Ende eben doch wieder stimmen. Wollen wir hoffen, dass das Geld dann auch gut investiert wird. Es bleibt für den Normalbürger ein positives Fazit der Reform, die aus dem sonstigen Rechtsallerlei lobenswert herausragt. Mit dem Sterben sollten wir uns trotz dieser Reform Zeit lassen. So gut ist sie dann auch wieder nicht:-).

Aktuelles

Seite 1 von 10   »

19. Juni. 2017

Das Erbscheinsverfahren ist der Grundstein für die Klärung der Frage, wer Erbe geworden ist. Hier wird geklärt, ob Anfechtungen wirksam sind, ob der Erblasser testierfähig war und ob alle Formvorschriften eingehalten wurden.

(Erläuterungen durch Dr. Frank Andresen, Fachanwalt für Erbrecht, Kiel u. Hamburg)


19. Juni. 2017
Mandanten fragen häufig danach, ob ihre Geschwister Pflichtteilsansprüche haben. Im Folgenden wird kompakt und verständlich durch Dr. Frank Andresen (Fachanwalt für Erbrecht, Kiel u. Hamburg) die Rechtslage dargestellt.

17. November. 2015

FG Münster vom 30.04.2015 - Az. 3 K 900/13 Erb

Die Aufwendungen zur Beseitigung eines Ölschadens, der noch zu Lebzeiten des Erblassers an der Tankanlage des zum Nachlass gehörenden Hauses entstanden war, aber erst nach dem Erbfall entdeckt worden ist, können nicht steuermindernd als Nachlassverbindlichkeiten berücksichtigt werden.

Als Nachlassverbindlichkeiten seien nur solche Schulden abzugsfähig, die bereits vor dem Erbfall für den Erblasser durch gesetzliche, vertragliche und außervertragliche Verpflichtungen entstanden sind und diesen im Zeitpunkt des Todes bereits wirtschaftlich belastet haben. Diese Voraussetzungen wären hier, im Fall eines vom Erblasser unentdeckten Ölschadens, aber nicht erfüllt. Die von den Erben aufzubringenden Kosten hätten daher keine Auswirkung auf die Höhe der zu zahlenden Erbschaftsteuer.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache hat das Finanzgericht Münster die Revision zum BFH zugelassen (AZ II R 33/15).

Urteil des FG Münster vom 30.04.2015
Aktenzeichen: 3 K 900/13 Erb

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht Dr. Frank Andresen  KIEL: Stiftstraße 13 - Tel. 0431 - 98 28 620   HAMBURG: Mönckebergstr. 27  - Tel. 040 - 328 097 835